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Der Deutsche (Industrie- und) Handelstag und die „Regulierung“ der deutschen Wirtschaft

Der 1861 gegründete Deutsche Handelstag (DHT) – bzw. seit 1918 Deutscher Industrie- und Handelstag (DIHT), seit 2001 Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) – war und ist zentraler Akteur bei der Gestaltung des deutschen Wirtschaftssystems, der als privater Verband mit öffentlich-rechtlichen Mitgliedern stets für sich reklamieren konnte, den Großteil der gewerblichen Wirtschaft einschließlich des Handels und der Banken zu repräsentieren und insofern essentiell zur gesamtwirtschaftlichen Willensbildung beizutragen.

Der DHT/DIHT eignet sich daher besser als jeder andere Verband, regulierungsrelevante Aushandlungs- und Kommunikationsprozesse zwischen Staat und Wirtschaft zu analysieren. Die Untersuchung setzt mit der Gründung des Verbands ein und wird bis zur Privatisierungsdiskussion in den 1980er Jahren fortgeführt. Das Vorhaben konzentriert sich auf die Politik des DHT/DIHT hinsichtlich ausgewählter Branchen, die – nach heutigem Verständnis – reguliert sind (Post/Telekommunikation, Finanzwesen, Elektrizitätswirtschaft), bettet die Entstehung regulierender Eingriffe in historische Kontexte ein, analysiert zugrunde liegende Normvorstellungen und Aushandlungsprozesse und gibt so Auskunft über Pfadabhängigkeiten sowie institutionelle Brüche in der deutschen Regulierungsgeschichte. Ziel ist es, Werte, Normen, Strukturen und Instrumente zu analysieren, die die Kommunikation zwischen staatlichen Stellen und DHT/DIHT bestimmten. Dazu werden

  • der DHT/DIHT im deutschen Verbandssystem über die Zeitläufte hinweg verortet und die Arbeitsteilung zwischen den Interessenverbänden in den Blick genommen,
  • der Willensbildungsprozess im DHT/DIHT und seine Grundlagen – z.B. Erfahrungswissen, Machtstrukturen – analysiert,
  • die Handlungsfähigkeit des Verbandes gegenüber staatlichen Stellen bestimmt sowie
  • Instrumente und Kanäle der Interessendurchsetzung – insbesondere auch die informeller Art – identifiziert.

 

Bearbeiter: Dr. Boris Gehlen

 

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